Die WWF zu Gast in Köln - Teil 2
Die InsurreXtion-Tour in Deutschland, 1. Mai 2002

 

Abendfüllende Unterhaltung

Der Event in Köln dauerte drei Stunden; die Pause von 15 Minuten nicht mitgezählt. Ob man wirklich "your money's worth" für diesen Auftritt bekam, möchte ich nicht unbedingt beurteilen. Eingeflogen wurde hauptsächlich ein "RAW"-Kader (nachdem in den zwei Hauptsendungen in den USA, "RAW" und "SmackDown", mittlerweile ein Ric Flair und ein Vince McMahon unterstehender Card im Zentrum steht). Die Versprechen der Wochen vor der Veranstaltung wurden nicht immer eingehalten oder konnten aufgrund von Verletzungen meist auch nicht eingehalten werden. Lita und Kane mußten deshalb auf ihren Flug nach Übersee verzichten. Kaum einsehbar ist allerdings das Ausscheiden von Triple H, der auf dem Werbeposter für Köln abgebildet war, aber erst in Großbritannien eingesetzt wurde. Was mich ebenfalls wunderte, war das Nichtvorhandensein eines Kommentatorenpultes für die Offiziellen am Ring. Der Ringgong (ein wichtiges Requisit so vieler Wrestling-Veranstaltungen!) lag gar am Boden. In meinen Augen machte das einen mehr als unprofessionellen Eindruck. Sollte Deutschland nur die Probe für Großbritannien dargestellt haben?

Da ich nicht mit anderen Live Events vergleichen kann, möchte ich mich auf diese Anmerkungen beschränken. Im Nachhinein bot der Abend trotzallem sehr viel. Ich war - mit zwei Ausnahmen - jedem der Anwesenden dankbar, daß sie den Weg nach Deutschland auf sich genommen hatten. Manchmal sah man den Aktiven sogar an, daß sie selbst sich freuten, vor dem deutschen Publikum auftreten zu dürfen und bestehen zu können. Trish Stratus, die in Interviews immer wieder beteuert, wie glücklich sie sich schätzt, für die WWF (bzw. WWE) arbeiten zu dürfen, schien ehrlich begeistert von den positiven Reaktionen auf ihre Person. Und ich war überrascht, welch hübsche Person da im Ring stand - vermutet man doch gerade als Frau hinter den glamourösen Fotos der Stars nicht viel mehr als Schminke und operationstechnisches Geschick... Letzteres gilt tatsächlich für die Frauen im Ring, v.a. was deren Oberweite betrifft. Dennoch wußten die Frauen, Jazz und Jaqueline, im zweiten Match des Abends mehr zu überzeugen als William Regal und Spike Dudley im Eingangsmatch!

Justin Credible

Justin Credible

Eddie Guerrero

Eddie Guerrero

Shawn Stasiak

Shawn Stasiak

Das fast nahtlose Aneinanderreihen von Kämpfen ohne Werbeunterbrechung ist für einen Fernsehzuschauer wie mich gewöhnungsbedürftig. Was schwerer wiegt, ist die Wirkung der Wrestler. Plötzlich befinden sich die Aktiven wenige Meter vor einem. Man ist konfrontiert mit Personen, die mancher vielleicht schon viele Jahre vom Fernsehen kennt. Ungewohnt ist dabei insbesondere deren Ausstrahlung: Ich war nie ein Fan von Ric Flair. Ich habe schon Schwierigkeiten mit der Bezeichnung "Fan". Daß andere mir möglicherweise einen Abend lang ein Plakat, das diesen Veteranen des Wrestlings preisen sollte, vorsetzen würden, versetzte mich in alles andere als Begeisterung. Dann kam der erste Aufmarsch der "Offiziellen", und Ric Flair marschierte in die Halle ein und zum Ring. Was ich nie für möglich gehalten hatte, trat ein. Der Funke sprang über. Die Halle hallte von Begeisterungsstürmen wider. Dazu ließ ich mich nicht hinreißen - ich hatte übrigens den gesamten Abend eine gute "Ausrede", nicht jubeln zu können: meine Kamera. Aber ich muß zugeben, daß auch mich dieser Auftritt begeisterte.

Viele der berühmten Wrestler sind tatsächlich "Ikonen", v.a. wenn sie wie ein Ric Flair über viele Jahre hinweg nicht aus dem Geschehen rund um den Ring wegzudenken sind. Daß sie auch Menschen sind, machte der Abend im Falle eines Undertaker oder Stone Cold Steve Austin klar. Gleichzeitig bemühen sich (fast) alle darum, dem Publikum zu geben, was es haben will: gute Unterhaltung. Als solche sollte man das Wrestling betrachten!

 

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© Christine Fößmeier (Bild & Text)