Die WWF zu Gast in Köln - Teil 3
Die InsurreXtion-Tour in Deutschland, 1. Mai 2002

 

Brutalität im Ring?

Warum steigen Wrestler eigentlich in den Ring? Wrestling ist Sport, aber es ist nicht "echt". Das wird live viel deutlicher als auf dem Bildschirm.

Brock Lesnar & Crash Holly

Brock Lesnar über Crash Holly

Vor Ort in Köln wirkte manches sogar erstaunlich bemüht; beispielsweise Booker T's Spinarooni, der sich nicht aus dem Bewegungsablauf entwickelte, sondern extra angesetzt wurde. Möglicherweise lag das Bemühen, sich und andere nicht zu verletzen, mehr als sonst daran, daß weitere Veranstaltungen in Großbritannien, darunter der PayPerview in der Londoner Wembley Arena, zu bestehen waren.

Wrestling ist eine Mischung aus Sport und Unterhaltung. Wer bei einem Live-Event dabei war, weiß, daß es in beiden Fällen extrem zugeht. Zudem besteht Wrestling aus einem Geben und Nehmen. Damit meine ich nicht den Schlagabtausch zwischen den Aktiven im Ring. Ich meine das Miteinander von Wrestlern und Fans. Natürlich wollen die Fans sportliche Höchstleistungen sehen, und die Leute im Ring sind in der Regel auch bereit, ihr Bestes zu geben. Die Fans wollen aber noch mehr und bekommen das auch, nämlich ein emotional hochaufgeladenes Erlebnis.

Erstaunlicherweise (?) habe ich kaum je eine weniger negative, letzlich fast friedliche Stimmung erlebt als bei dem Event der World Wrestling Federation. Die Fans verstiegen sich nicht dazu, ernsthafte Verletzungen eines unsympathischen Wrestlers einzufordern. Man kommentierte Aktionen, die im "normalen Leben" zu einem Krankenhausaufenthalt führen. Man wollte sie auch sehen - aber in dem Wissen, daß es zu keinem physischen Schaden kommen würde. So und nicht anders wurde die scheinbare Brutalität betrachtet und akzeptiert.

Goldust

Goldust will den Titel - mit Gewalt!

Das "böse" Wrestling fördert keineswegs die Brutalität der Fans, auch nicht der jugendlichen Fernsehzuschauer. Dazu ist es viel zu unwirklich. Außerdem kann man vom Undercard bis zum Midcard sehen, daß die Wrestler danebenschlagen oder -treten - was live allerdings deutlicher wahrnehmbar ist. Lediglich die Superstars machen allein schon aufgrund ihrer Ausstrahlung vergessen, daß nichts wirklich echt ist. Die Gemeinheiten im Ring stellen jedoch keine Lösung für das Leben dar und werden auch nicht als solche angeboten. Schon beim nächsten Mal mag nämlich der Aggressor von heute unterliegen...

 

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© Christine Fößmeier (Bild & Text)